Was weiß die Lern-App deines Kindes über es?

Was weiß die Lern-App deines Kindes über es?

(aktualisiert 22. Februar 2026) · ParentOS Team — Datenschutz & Sicherheit · 6 Min. Lesezeit
Saubere Technik für Familien · Artikel 5 von 7

Kurz gesagt: Kostenlose Lern-Apps sammeln die Verhaltensdaten deines Kindes (Lerntempo, Fehlermuster, aktive Stunden) und verknüpfen sie mit Werbe-IDs. 7-Punkte-Checkliste + fertige E-Mail-Vorlage für die Schule — prüfe den Datenschutz in 5 Minuten.

Serie: Saubere Technik für Familien · Artikel 5/7

Die meisten kostenlosen Lern-Apps sammeln die Verhaltensdaten deines Kindes — wie lange es an Aufgaben verbringt, Fehlermuster, aktive Stunden — zusammen mit den Werbe-IDs des Geräts. In diesem Artikel erfährst du, welche Daten beliebte Apps sammeln, wer sie sieht, was das Gesetz sagt (COPPA, DSGVO) und wie du den Datenschutz der App deines Kindes in 5 Minuten prüfst. Du findest eine 7-Punkte-Checkliste und eine fertige E-Mail-Vorlage für die Schule.


Tablet, Mathe, goldener Stern

Deine Tochter sitzt am Küchentisch. Das Tablet vor sich, die Ellbogen auf der Fläche. Sie macht Matheaufgaben. Gerunzelte Stirn, Finger auf dem Bildschirm, ein Moment der Stille — und ein goldener Stern. Ein Lächeln. Ihre Schultern entspannen sich.

Du bist in der Küche und spülst eine Kaffeetasse. Du hörst ein leises „ja!“ hinter dem Bildschirm. Du atmest aus. Fünfzehn Minuten Ruhe. Sie übt, lernt, ist vertieft. Alles ist gut.

Auf der anderen Seite des Bildschirms zeichnet ein Server auf: wie lange sie an jeder Aufgabe saß, zu welcher Zeit sie übt, wie schnell sie lernt, wie oft sie falschlag, welches Tablet-Modell sie hält, welches WLAN sie nutzt. Nicht, um ihr zu helfen. Um Werbung besser auszuspielen.


Welche Daten sammeln kostenlose Lern-Apps?

Die meisten kostenlosen Lern-Apps für Kinder sammeln Verhaltensdaten. Das ist kein Geheimnis — es ist ein Geschäftsmodell. Aber das Ausmaß dieser Sammlung ist größer, als die meisten Eltern ahnen.

Ein paar Fakten, die man ruhig betrachten kann:

  • COPPA (USA) erweiterte 2025 die Definition von „personenbezogenen Informationen“ um biometrische Daten und verlangt nun eine separate, überprüfbare elterliche Zustimmung, bevor Daten von Kindern unter 13 erhoben werden. Das war die erste Aktualisierung seit 2013.
  • DSGVO (EU, Artikel 8) verlangt die Zustimmung der Eltern für die Verarbeitung der Daten eines Kindes, wenn es unter 16 ist.
  • Common Sense Media berichtet durchgängig, dass die meisten von Kindern genutzten Apps deren Daten an Dritte weitergeben und verkaufen.
  • Viele Länder haben noch immer keine eigene Gesetzgebung, die die Online-Privatsphäre von Kindern auf dem Niveau von COPPA schützt — und stützen sich stattdessen auf die DSGVO oder allgemeine Datenschutzgesetze.

Aber seien wir ehrlich: Die meisten von uns klicken „Akzeptieren“, ohne zu lesen. Und das ist normal. Diese Dokumente sind dreißig Seiten lang. Sie sind in einer Sprache geschrieben, die eine:n Anwält:in zum Entschlüsseln braucht.

Hier geht es nicht darum, ein schlechtes Elternteil zu sein. Es geht um ein System, das nicht darauf ausgelegt ist, dir zu helfen.


Pause

Du musst nicht jetzt sofort alle Apps deiner Tochter prüfen. Alles, was du brauchst, ist zu wissen, worauf du achten musst. Wissen ist der erste Schritt. Der Rest kann warten.


Was genau sammeln die Apps deines Kindes?

Schlüsseln wir es auf. Ruhig, Schritt für Schritt.

Welche Daten sammeln sie?

Lern-Apps können mehrere Schichten von Informationen sammeln. Jede wirkt für sich genommen harmlos. Zusammen erzeugen sie ein detailliertes Profil.

Verhaltensdaten — wie lange dein Kind an einer Aufgabe verbringt, welche Fehlermuster auftreten, zu welchen Stunden es aktiv ist, wie schnell es lernt, wann es entmutigt wird. Diese Daten verraten mehr über dein Kind als seine Noten in der Schule.

Gerätedaten — Tablet-Modell, OS-Version, Standort (bis auf die Nachbarschaft genau), Werbe-ID (IDFA auf iOS, GAID auf Android). Die Werbe-ID ist im Grunde eine „Seriennummer“ deines Geräts in der Werbewelt — sie erlaubt Unternehmen, die Aktivität deines Kindes über Apps hinweg zu verknüpfen.

Personenbezogene Daten — Name, Alter, Klasse, Schule — falls bei der Registrierung angegeben. Manchmal indirekt aus dem Kontext erhoben.

Der digitale Fußabdruck eines Kindes beginnt, bevor es zwei Jahre alt ist. Forschung zeigt, dass das durchschnittliche Kind Hunderte von Datenpunkten in Datenbanken Dritter hat, noch bevor es in die Schule kommt.

Wer sieht die Daten deines Kindes?

Diese Daten können landen bei:

  • Der:dem Entwickler:in — dem Unternehmen, das sie direkt sammelt.
  • Datenhändler:innen — Unternehmen, die Daten in großen Mengen kaufen und Werbeprofile aufbauen.
  • Werbetreibenden — die sie zur Werbeausrichtung nutzen. Nicht nur in dieser App — über das gesamte Ökosystem.
  • Potenziell: jedem, der in den Server eindringt. Datenlecks passieren regelmäßig. Wenn die Daten nicht verschlüsselt sind, sind sie für eine:n Angreifer:in lesbar.

Warum ist der digitale Fußabdruck eines Kindes wichtig?

Ein Werbeprofil, das von Kindheit an aufgebaut wird, ist etwas, worüber man Bescheid wissen sollte. Verhaltens- und Gesundheitsdaten über dein Kind erzeugen, was Forschende ein „digitales Dossier“ nennen — eines, das mit deinem Kind wächst und über das weder es noch du Kontrolle hat.

Aber — keine Panik. Du kannst beeinflussen, welche Daten dein Kind hinterlässt. Es geht nicht darum, alles zu beseitigen. Es geht darum zu wissen und bewusste Entscheidungen zu treffen.

Was sagt das Gesetz 2026?

Die Regulierung ändert sich. Langsam, aber sie ändert sich.

  • COPPA (USA) — Unternehmen müssen eine „überprüfbare elterliche Zustimmung“ einholen, bevor sie Daten von Kindern unter 13 erheben. Neue Regeln erweitern das um Biometrie.
  • DSGVO Artikel 8 (EU) — elterliche Zustimmung erforderlich für die Verarbeitung der Daten eines Kindes, wenn es unter 16 ist. Einschließlich des Rechts auf Datenlöschung.
  • Neue US-Bundesstaatengesetze — Maryland „Kids Code“, Connecticut Age-Appropriate Design Act — setzen den Schutz der Privatsphäre von Kindern auf Bundesstaatenebene durch. Der Trend wächst.
  • EU: CSAR (Child Sexual Abuse Regulation) — ein umstrittener Vorschlag, der das Scannen privater Nachrichten verlangen könnte. Organisationen wie die EFF und EDRi warnen, dass dies die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung bedroht.

Die Durchsetzung ist noch schwach. Die meisten Unternehmen vergraben die Zustimmung in ihren AGB. Aber die Richtung ist klar — die Regulierungsbehörden beginnen, Kinderdaten ernst zu nehmen.


Wie du den Datenschutz der App deines Kindes prüfst: eine Checkliste

Wir haben eine Liste mit Fragen vorbereitet, die du deiner Schule stellen oder in den App-Einstellungen deines Kindes prüfen kannst. Du musst nicht alle auf einmal beantworten. Auch nur eine Frage zu stellen ist schon mehr, als die meisten Eltern tun.

  • Hat die App ein Datenschutzprofil im App Store / bei Google Play? (Suche nach „App-Datenschutz“ auf iOS oder „Datensicherheit“ auf Android)
  • Sammelt sie Werbe-IDs (IDFA/GAID)?
  • Verlangt sie ein Kinderkonto mit Name und Alter?
  • Zeigt sie personalisierte Werbung an?
  • Kann ich das Tracking in den App-Einstellungen deaktivieren?
  • Nutzt die Schule Apps mit einer Student-Privacy-Pledge-Zertifizierung?
  • Kann ich die Löschung der Daten meines Kindes verlangen? (DSGVO Artikel 17 gibt dir dieses Recht)

Fertige E-Mail-Vorlage für die Schule

Wenn dein Kind in der Schule Lern-Apps nutzt, hast du das Recht zu fragen, welche Daten sie sammeln. Hier ist eine fertige Vorlage — du kannst sie kopieren und unverändert senden.

Betreff: Frage zum Datenschutz von Lern-Apps

Sehr geehrte Schulleitung,

als Elternteil würde ich gern erfahren, welche Lern-Apps an der Schule genutzt werden und welche Daten sie über unsere Kinder sammeln. Könnten Sie bitte Folgendes bereitstellen:

  1. Eine Liste der im Unterricht genutzten Apps und digitalen Plattformen.
  2. Informationen darüber, welche Schülerdaten jede von ihnen sammelt.
  3. Informationen darüber, ob die Schule mit den Anbietern dieser Apps Auftragsverarbeitungsverträge geschlossen hat (wie nach der DSGVO / dem geltenden Datenschutzrecht erforderlich).

Mir liegt die Sicherheit der Daten meines Kindes am Herzen, und ich weiß, Ihnen auch.

Vielen Dank für Ihre Zeit und Aufmerksamkeit.

Mit freundlichen Grüßen [Dein Name]

Diese E-Mail ist nicht konfrontativ. Sie beschuldigt niemanden. Sie fragt einfach. Und Fragen ist das Recht jedes Elternteils.

Wenn du andere Eltern in der Klasse kennst — teile diese E-Mail. Ein:e Elternteil, die:der fragt, ist Neugier. Drei Eltern, die dieselbe Frage stellen, sind ein Signal, dass die Schule reagieren sollte.


Was ist der einfachste Schritt, den du heute tun kannst?

Nimm das Tablet deines Kindes. Öffne eine Lern-App. Geh in die Einstellungen, such einen „Datenschutz“-Bereich. Prüfe eine Sache: ob du das Tracking deaktivieren kannst. Das ist alles. Du musst nichts ändern. Es einfach zu sehen ist schon ein Schritt.


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Bei ParentOS sind die Daten deines Kindes Ende-zu-Ende verschlüsselt — selbst wir können sie nicht lesen. Wir sammeln keine Verhaltensdaten, wir zeigen keine Werbung, wir verkaufen keine Profile. Wenn du eine Alternative suchst, sieh dir an, wie es funktioniert, auf parentos.ai.


Häufig gestellte Fragen

Welche Daten sammeln Lern-Apps?

Lern-Apps können drei Schichten von Daten sammeln: (1) Verhaltensdaten — wie lange dein Kind an Aufgaben verbringt, Fehlermuster, aktive Stunden, Lerntempo; (2) Gerätedaten — Tablet-Modell, Standort, Werbe-ID (IDFA/GAID); (3) personenbezogene Daten — Name, Alter, Klasse, falls bei der Registrierung angegeben. Zusammen erzeugen sie ein detailliertes Profil deines Kindes.

Wie prüfe ich, was eine App über mein Kind sammelt?

Drei schnelle Schritte: (1) Auf iOS öffne die App-Seite im App Store und scrolle zum Abschnitt „App-Datenschutz“. Auf Android suche nach „Datensicherheit“ in Google Play. (2) Such in den App-Einstellungen einen „Datenschutz“-Bereich — prüfe, ob du Tracking deaktivieren kannst. (3) Schreib der Schule eine E-Mail und bitte um eine Liste der Apps und ihrer Datenrichtlinien — dazu hast du nach der DSGVO das Recht.

Schützt die DSGVO die Daten meines Kindes?

Ja. DSGVO Artikel 8 verlangt die Zustimmung der Eltern für die Verarbeitung der Daten eines Kindes, wenn es unter 16 ist. DSGVO Artikel 17 gibt dir das Recht, die Löschung der Daten deines Kindes zu verlangen. In den USA verlangt COPPA (2025 aktualisiert) eine überprüfbare elterliche Zustimmung, bevor Daten von Kindern unter 13 erhoben werden. Die Durchsetzung bleibt unvollkommen, aber die Richtung der Veränderung ist klar.


Serie „Saubere Technik für Familien“:


Quellen:


Ruhige Familien beginnen mit Bewusstsein.